"Armes Mexiko, so weit weg von Gott
und so nahe an den USA."

Porfirio Diaz, mexikanischer Diktator bis 1910

 

Mexiko ist reich an Bodenschätzen und über Jahrhunderte bildete der Bergbau die Hauptgrundlage der mexikanischen Wirtschaft, und noch immer spielt er eine beträchtliche Rolle. Nach wie vor ist Mexiko der weltweit größte Silberproduzent, beim Schwefel nimmt das Land die vierte Position ein und auch bei anderen Bergbauprodukten gehört es zu den wichtigsten Erzeugerländern und trotz seiner vieler Krisen ist Mexiko eine der führenden Volkswirtschaften Lateinamerikas. Die Abhängigkeit von Erdölexporten wurde gemindert, inzwischen haben viele nordamerikanische, aber auch europäische und japanische Firmen Fertigungsanlagen im Land errichtet.

Als Agrarland und Rohstoffproduzent (nur ein Sechstel des Landes ist für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet) stand Mexiko im Laufe seiner Geschichte trotz einiger Industrialisierungserfolge stets in klassischer Abhängigkeit vom internationalen Weltmarkt und gleichzeitig unter der Fuchtel des "großen Bruder" USA.

Mexikanisches Wunder ?
So wurde Mexiko nach seinem Entwicklungsstand zu einem so genannten "Schwellenland", dessen Wirtschaftswachstum von 1950 bis 1970 mit 6 % pro Jahr größer war als die Bevölkerungszunahme von 3,5 %. Schon daher war man geneigt, vom "Milagro mexicano", dem Mexikanischen Wunder, zu sprechen. Dazu kamen in den 1970er Jahren ungeahnte Erdölfunde. Mit diesem Boom hoffte die Regierung, das nachlassende Wachstum auffangen zu können. Tatsächlich war die internationale Finanzwelt im Vertrauen auf Stabilität und Erdölgewinne zu fast unbegrenzten Krediten für ehrgeizige Großprojekte bereit, obwohl Zeichen für einen Abschwung erkennbar waren, z. B. die rapide steigende Inflation, das zunehmende Außenhandelsdefizit und die extreme Auslandsverschuldung.

Wirtschaftskrise
Nach der Überwindung der Wirtschaftskrise 1995 „Tequila-Krise" stand im Zentrum der mexikanischen Wirtschaftspolitik die Konsolidierung des Gesundungsprozesses. Dank entschlossenen Gegensteuerns mit einer konsequenten Liberalisierungs- und Stabilitätspolitik kehrte die mexikanische Volkswirtschaft bereits 1996 auf ihren Wachstumskurs zurück.

Der stärkere Ausbau der eigenen Industrie bildet einen bedeutenden Faktor in der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Dieser Vorschlag findet auch in der neuen Regierungsstrategie zur Unterstützung der kleinen und mittelständischen Unternehmensgründungen (PYME) ihren Niederschlag. Denn bisher konzentriert sich das wirtschaftliche Leistungs- und Exportpotential auf internationale Großunternehmen, von denen sich ein Großteil in der extrem US-abhängigen Lohnveredelungsindustrie „industria maquiladora de exportacion" wieder findet.

Anfang 1997 wurde der Telekommunikationsmarkt dem privaten Sektor teilweise geöffnet. Die Privatisierung der Eisenbahn, der See- und Flughäfen ist weitgehend abgeschlossen. Stark Rückläufig ist seit 1999 der Export von Textil- und Lederindustriemaschinen. Dies reflektiert sowohl die Strukturschwächen wie auch die hohe Konjunkturanfälligkeit der Branche, deren Einbruch 2001 deutlich über dem industriellen Durchschnitt lag.

Seit dem In-Kraft-Treten des Freihandelsabkommens zwischen Mexiko und der EU am 1.6.2000 haben sich die die deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen positiv entwickelt. Eines der Ziele: die Bedingungen des Handels zwischen der EU und Mexiko mittelfristig an die NAFTA-Bedingungen anzugleichen, was die Wettbewerbs-Chancen europäischer, und damit auch deutscher Firmen erhöht. Die deutschen Exporte nach Mexiko beliefen sich 2001 auf etwa 5,3 Mrd. EUR und die deutschen Direktinvestitionen sind beachtlich gewachsen. Derzeit sind über 700 deutsche Unternehmen in Mexiko aktiv, darunter Großunternehmen wie VW, Bayer und Siemens. Das Produktionsvolumen deutscher Tochtergesellschaften in Mexiko wird auf etwa 25 Mrd. USD geschätzt.

Mexiko fährt unter der Präsidentschaft von Fox einen wirtschaftlichen Reformkurs, der auf Deregulierung und Entbürokratisierung setzt. Zu den Zukunftsbranchen gehört Mexikos Maschinenbau, die deutschen Maschinenbauer profitieren von der positiven Entwicklung und verbuchten 2001 auch gegen den rückläufigen Konjunkturtrend teils beträchtlich Exportzuwächse - bedingt durch den schwachen Euro und durch das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union.

Mexiko war im Jahre 2002 mit einem Bruttoinlandsprodukt von 625,3 Mrd. USD die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und ist mit Abstand die bedeutendste Exportnation dieser Region. Die mexikanische Wirtschaft ist nach vorläufigen Zahlen 2002 um 0,9 % gewachsen. Wachstumsprognosen für 2003 sind sehr schwierig, da diese von dem Zeitpunkt abhängen, an dem die US-Konjunktur wieder anspringt. Die meisten Beobachter gehen von einem BIP-Wachstum von 2,8 % aus. Die Inflationsrate im Jahr 2002 betrug 5,7 %. Somit wäre die Inflationsrate erneut höher als von der Regierung erwartet. Nach Angaben der mexikanischen Statistikbehörde blieb der Handel mit Deutschland in 2002 gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Importen von 6,1 Mrd. USD stehen Exporte nach Deutschland in Höhe von 1,2 Mrd. USD gegenüber, wobei die Exporte um 260 Mio. USD am deutlichsten zurückgegangen sind.

Anfang August 2002 stellte das mexikanische Wirtschaftsministerium der Öffentlichkeit 22 industrielle Branchenförderprogramme vor. Ausländische Unternehmenstöchter, die in Mexiko fertigen, sind inländischen Unternehmen gleichgestellt und können somit alle Vorteile dieser Förderprogramme in Anspruch nehmen. Solche Infrastrukturprojekten etwa in den Bereichen Energie, Schifffahrt, Verkehr und Abwasser will die Regierung über eine Kombination öffentlicher und privater Investitionen finanzieren.

Das Land hat, wenn man internationale Rating-Agenturen bemüht, ein so genanntes Investment-Grade-Rating, das heißt, stabile und gute Rahmenbedingungen für Investitionen. Das äußert sich in erster Linie dadurch, dass das Land im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen Ländern eine erheblich geringere Verschuldung hat. Es äußert sich zum weiteren darin, dass der Wechselkurs zwischen US-Dollar und dem mexikanischen Peso vergleichsweise stabil ist. So dass alles in allem zu sagen ist, dass in Mexiko die Rahmenbedingungen für Investitionen im Vergleich zu den anderen lateinamerikanischen Ländern durchaus als günstig beurteilt werden können.